Ratgeber · 2026-08-17

sevdesk Alternative: Wann ein Buchhaltungs-Abo zu viel ist

Der Tarif „Rechnung“ bei sevdesk kostet 11,90 € im Monat, das Paket „Buchhaltung“ 25,90 €, „Buchhaltung Pro“ 34,90 € — im Jahresabo etwas weniger, dafür mit Bindung. Bei Lexware Office (früher lexoffice) beginnt es bei 7,90 € netto und endet bei 32,90 € netto im Monat. Beides sind faire Preise für das, was diese Programme leisten. Die Frage ist nur, ob Sie das alles brauchen.

Denn viele suchen eine Alternative aus einem sehr konkreten Grund: Seit dem 1. Januar 2025 müssen sie E-Rechnungen annehmen können — und dafür haben sie sich ein Buchhaltungspaket gekauft, von dem sie neun Zehntel nie öffnen.

Vergleich: Buchhaltungs-Abo mit allen Funktionen gegenüber einzelnen Werkzeugen für Empfang, Prüfung und Archiv
Zwei Wege zur selben Pflicht. Der Unterschied liegt nicht in der Gültigkeit, sondern im Umfang.

Erst die Frage klären: Was müssen Sie wirklich können?

Die Pflichten sind unterschiedlich verteilt, und daran hängt die Antwort:

Aufgabe Wer muss das? Ab wann
E-Rechnungen empfangen und lesbar machen jedes Unternehmen, auch Kleinunternehmer seit 1.1.2025
E-Rechnungen archivieren (GoBD, 8 Jahre) jedes Unternehmen laufend
E-Rechnungen ausstellen Unternehmen mit über 800.000 € Vorjahresumsatz ab 1.1.2027
E-Rechnungen ausstellen alle übrigen Unternehmen ab 1.1.2028
E-Rechnungen ausstellen Kleinunternehmer nach § 19 UStG dauerhaft befreit (§ 34a UStDV)

Wer nur in den ersten beiden Zeilen steht, kauft mit einem Buchhaltungs-Abo vor allem Funktionen, die er nicht nutzt. Wer dagegen ohnehin Belege erfassen, eine EÜR bauen und Daten an den Steuerberater übergeben will, ist mit sevdesk oder Lexware Office gut bedient — dann ist dieser Artikel nicht Ihr Artikel.

Die Alternativen im Überblick

Weg Kosten Bindung Passt, wenn …
sevdesk, Lexware Office, easybill & Co. ca. 8–35 €/Monat Abo, teils Jahresvertrag Sie die komplette Buchhaltung im Programm machen
DATEV E-Rechnungsplattform Empfang dauerhaft kostenlos, übrige Leistungen bis 30.6.2026 kostenfrei DATEV-Konto nötig Ihr Steuerberater ohnehin DATEV nutzt
Rechnungs-Postfach Prüfen, Ansehen, Extrahieren: 0 € keine, kein Konto Sie E-Rechnungen empfangen und verstehen müssen, mehr nicht
E-Mail-Postfach plus Ablage von Hand 0 € keine Sie sehr wenige Rechnungen bekommen und Ordnung halten

Das E-Mail-Postfach ist übrigens keine Notlösung: Die Bundesregierung hat ausdrücklich bestätigt, dass ein einfaches E-Mail-Postfach zum Empfang ausreicht. Nur lesen und prüfen können muss die Datei am Ende trotzdem jemand — und genau da hört das E-Mail-Programm auf.

Was Rechnungs-Postfach macht — und was nicht

Ehrlich zuerst, was wir nicht sind: keine Buchhaltung, keine EÜR, keine Umsatzsteuervoranmeldung, kein Rechnungsversand. Wenn Sie das suchen, bleiben Sie bei den Vollpaketen.

Was Sie hier kostenlos und ohne Anmeldung bekommen:

  • Prüfung nach EN 16931 und XRechnung — dieselben offiziellen Regeln (CEN und KoSIT), die auch die Bezahlprogramme verwenden. Wir setzen dafür die Open-Source-Bibliothek Mustang ein.
  • Fehler in normalem Deutsch. „BR-DE-15“ heißt bei uns nicht „BR-DE-15“, sondern: die Käuferreferenz fehlt, so beheben Sie das. Für jede Regel gibt es eine eigene Seite mit Ursache und Lösung — 255 Stück.
  • Lesbare Ansicht direkt beim Hochladen: aus XML wird wieder eine Rechnung, die ein Mensch prüfen und bezahlen kann.
  • KI-Korrektur für kaputte Dateien, mit Vorher-Nachher-Zählung der Fehler. Geschäftsdaten wie IBAN oder Steuernummer erfindet sie bewusst nicht.
  • ZUGFeRD-Extraktor für das XML aus der PDF.

In Vorbereitung, und deshalb hier ohne Versprechen: ein eigenes Empfangspostfach mit fester Adresse für Ihre Lieferanten und ein revisionssicheres GoBD-Archiv.

Der Preisvergleich, den niemand gern rechnet

Ein Kleinunternehmer mit zwölf Eingangsrechnungen im Jahr zahlt beim Rechnung-Tarif von sevdesk rund 143 € jährlich (11,90 € × 12) — also gut 11 € pro Rechnung, wenn er das Programm sonst nicht nutzt. Bei Lexware Office S sind es rund 95 € netto im Jahr. Für dieselbe Aufgabe — annehmen, ansehen, prüfen — zahlen Sie bei uns nichts.

Das ist kein Vorwurf an die Anbieter. Deren Preis ist für Buchhaltung kalkuliert, nicht für Dateiansicht. Es ist nur die falsche Schublade, wenn man Buchhaltung gar nicht braucht.

Wechseln oder ergänzen? Beides geht

Sie müssen sich nicht entscheiden. Zwei Muster, die in der Praxis funktionieren:

  1. Abo behalten, Prüfung auslagern. Wenn eine Eingangsrechnung im Programm Ärger macht, ziehen Sie sie kurz in den Validator und sehen im Klartext, was fehlt — inklusive Formulierung, die Sie dem Aussteller weiterleiten können.
  2. Abo kündigen, Aufgaben trennen. Empfang und Prüfung übernehmen wir, die Steuererklärung Ihr Steuerberater. Das ist die typische Konstellation bei Selbstständigen ohne eigene Buchhaltung.

Häufige Fragen

Ist eine kostenlose Prüfung rechtlich gleichwertig? Geprüft wird gegen dieselbe Norm (EN 16931) und dieselben deutschen Regeln (XRechnung, KoSIT). Ein Prüfergebnis ist keine Steuerberatung und keine Garantie für den Vorsteuerabzug — das gilt für jedes Programm, auch für bezahlte.

Was passiert mit meiner Datei? Sie wird zur Prüfung verarbeitet und danach gelöscht. Nur bei der optionalen KI-Korrektur verlässt die Datei unseren Server — und das ausschließlich, wenn Sie vorher ausdrücklich zustimmen.

Und wenn ich doch einmal eine E-Rechnung ausstellen muss? Kleinunternehmer müssen das nicht. Alle anderen ab 2027 bzw. 2028 — welche Wege es dafür gibt, steht im Ratgeber E-Rechnung erstellen (kostenlos).


Preise Stand August 2026 laut Anbieterangaben; Tarife und Aktionen ändern sich. Keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Stand: 2026-08-17. Alle Angaben ohne Gewähr, keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Nächster Schritt

Datei prüfen statt raten